Disney-Plus-Kritik «Solar Opposites»: Blutig-bunte Science-Fiction-Sitcom für Erwachsene

Disney-Plus-Kritik «Solar Opposites»: Blutig-bunte Science-Fiction-Sitcom für Erwachsene

In der mit Mike McMahan („Star Trek: Lower Decks“) entwickelten Zeichentrickserie „Solar Opposites“ schickt der Erfinder von „Rick and Morty“, Justin Roiland, fünf Außerirdische an Land und konfrontiert sie mit menschlichen Besonderheiten. Grobe Knebel und offensichtliche Gewaltüberschüsse sind keine Seltenheit.

Serienrezension von Christopher Diekhaus

Während der Präsentation des neuen DisneyPlus-Kanals „Star“, der ab dem 23. Februar 2021 verfügbar sein wird, wurde mehrmals berichtet, dass er das Streaming-Portfolio der traditionellen Lieblingsgruppe der Familie, Mickey Mouse, um ein Paket erweitern würde, das speziell für Erwachsene gedacht ist. Nach den ersten beiden Folgen der animierten Sitcom „Solar Opposites“, die im Mai 2020 in den USA auf Hulu Premiere hatte, kann diese Aussage nur unterstrichen werden.

Justin Roiland, der auch die weniger ekelhafte Zeichentrickserie „Rick and Morty“ herausgebracht hat, und Mitschöpfer Mike McMahan haben keine Angst vor solider Sprache, thematischen Tabus und blutigen Bildern. Nicht jeder wird es mögen. Aber unter den tollwütigen Interessen gibt es auch einige amüsante Anschauungen über oft absurde menschliche Existenz.

Wiederholt zeigt die Serie, wie verantwortungslose Menschen mit ihrer Umwelt umgehen – der Cineman-Filmkritiker Christopher Diekhaus

Im Zentrum der eleganten Energie-Episoden stehen fünf Außerirdische, die aufgrund eines Asteroideneinschlags und einer Blockade in den USA versehentlich ihrem wundervollen Heimatplaneten Shlorp den Rücken kehren mussten. Raven (Stimme im Original: Justin Roiland) und Terry (Thomas Middleditch) sind die Erwachsenen in der Liga. Es ist jedoch zunächst unklar, ob sie in einer partnerschaftlichen Beziehung stehen. Das außerirdische Quintett wird von den Replikanten Yumyulack (Sean Giambrone) und Jesse (Mary Mack) sowie einer mysteriösen gelben Schneckenkreatur namens „The Doll“ (Sagan McMahan) vervollständigt.

  Sebastian Kurz: Auf Kosten der demokratischen Institutionen

Alligatoren sind sich in keiner Weise einig, was sie von ihrem neuen Wohnort halten. Während Korvo feststellt, dass unterentwickelte Menschen sich übergeben und entschlossen sind, seinen abgestürzten Astronomen zu reparieren, wird Terry immer freundlicher mit seinem Leben auf dem außerirdischen Planeten. Jesse will sich auch anpassen und glaubt, dass es bei vielen Menschen auf der Erde Güte gibt. Yumyulack hingegen sieht alles kritischer und widmet sich einem eigenwilligen Hobby: die Menschen, die ihn belästigten, zu reduzieren und sie in ein großes Wandterrarium in seinem Zimmer zu stellen – natürlich für rein wissenschaftliche Zwecke.

Die Kehlen werden ständig geschnitten, die Charaktere werden in zwei Teile geteilt oder anderweitig misshandelt – der Cineman-Filmkritiker Christopher Diekhaus

Über Jesse und Yumyulack taucht „Solar Opposites“ in den Alltag einer High School ein und greift einige der wirklichen Probleme und Wünsche junger Menschen auf: Mobbing-Angriffe gegen Menschen, die anders aussehen, systematische Diskriminierung durch das Persönliche und den Wunsch zu gehören sind einfach zum Beispiel in den ersten Konsequenzen gedacht.

Währenddessen haben Korvo und Terry andere Kämpfe und manövrieren in einer gefährlichen Situation. Der Versuch, einer außerirdischen Kreatur aus einer Fernsehsendung das wirkliche Leben einzuhauchen, führt zu einer spürbaren Orgie der Verwüstung. Und die Idee, für die Präsidentschaft des Eigentümerverbandes zu kandidieren und mit Hilfe von mit Trinkwasser betriebenen Nanorobotern im Voraus umfangreiche Daten über die Nachbarschaft zu sammeln, tauchte ungewollt auf.

Die Serie zeigt einmal mehr, wie verantwortungslos Menschen mit ihrer Umwelt umgehen. Seltsame bürokratische Vorschriften werden mit Vergnügen durch den Kakao gezogen. Und die Macher der Handlungsepisoden beziehen sich ständig auf andere Werke der Popkultur, insbesondere auf Filme. Als Jesse und Yumyulack eine Nazi-Bar mit dem beredten Namen „Heil Hitbar“ betreten, erreichen die Charaktere selbst den Punkt des Schockers „Green Room“, in dem sich eine Punkband in einer von Rechtsextremisten geführten Bar im Nacken erhebt.

  Netflix versus Disney - Disney+ verschärft mit «Star» den Streaming-Krieg

Der Präsentationsstil von „Solar Opposites“ basiert eindeutig auf „Rick and Morty“. Noch mehr gewalttätige Ausbrüche brechen in der Öffentlichkeit zusammen als jemals zuvor. Die Kehlen werden ständig geschnitten, die Charaktere werden in zwei Teile geteilt oder auf andere Weise misshandelt. Die Provokationen wirken manchmal etwas krampfhaft. Nicht jeder Witz will sich entzünden. Und manchmal sieht die Serie aus wie ein wildes Blut aus mehreren Teilen. Aber einige Ideen sind äußerst verlockend und ziemlich originell. Besonders hervorzuheben ist das Erscheinen des von kleinen Menschen bevölkerten Schranks im Terrarium, in dem sich eindeutig eine raue Welt am Ende der Zeit entwickelt hat, die Mad Max ähnelt.

„Solar Opposites“ ist ab sofort auf Disney + verfügbar.

Sie könnten auch interessiert sein an:

FILED UNDER: tv