Nebenwirkungen von AstraZeneca: „Wir Menschen müssen lernen, mit Unsicherheit zu leben“

Nebenwirkungen von AstraZeneca: "Wir Menschen müssen lernen, mit Unsicherheit zu leben"

Sollte ich trotz der seltenen Nebenwirkungen mit AstraZenec geimpft werden? Der Risikoforscher Gerd Gigerenzer erklärt, warum solche Entscheidungen uns überwältigen können.

Ob ich welche fragen könnte oder nicht. © Kniel Synnatzschke / Plainpicture

Mehrere Staaten haben die Impfpriorität für AstraZeneca abgeschafft. Jetzt fragen sich Menschen, die noch nicht an der Reihe sind, ob sie den Impfstoff erhalten sollen. Einige sind alarmiert über Berichte über eine Hirnvenenthrombose, die manchmal mit einem Thrombozytenmangel zusammenhängt, der in sehr seltenen Fällen, insbesondere bei jüngeren Menschen, nach der Impfung auftreten kann. Nach aktuellen Informationen des Paul-Ehrlich-Instituts sind in Deutschland zwölf Menschen an den Folgen dieser Komplikation gestorben, nachdem sie mit AstraZenec geimpft worden waren – unter 4,2 Millionen geimpften Menschen. Das Risiko für alle geimpften Menschen liegt bei drei pro Million.

ZEIT ONLINE: Herr Gigerenzer, was raten Sie Menschen, die sich nicht sicher sind, ob sie mit AstraZenec geimpft werden sollen?

Gerd Gigerenzer: Das Wichtigste zu verstehen ist, dass es nichts gibt, das kein Risiko birgt. Die Angst vor Nebenwirkungen ist häufig mit Menschen verbunden, die davon ausgehen, dass der Impfstoff kein Risiko haben sollte. Es ist eine Illusion. Sie müssen die Risiken und Risiken abwägen, insbesondere das Risiko von Nebenwirkungen und das Risiko einer schweren Covid-19-Krankheit. Diese Überlegung variiert je nach Alter und Geschlecht. Nach dem, was bisher bekannt ist, treten seltene Blutgerinnsel, insbesondere bei jüngeren Frauen, häufiger auf, als statistisch zu erwarten war. Das heißt aber nicht, dass sie häufig vorkommen: Sie sind äußerst selten. Natürlich spielt auch das Risiko einer schweren Covid-19-Krankheit eine Rolle beim Wiegen.

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ZEIT ONLINE: Forscher der Universität Cambridge haben versucht, dieses Risiko mit dem Risiko von Nebenwirkungen einer AstraZenec-Impfung zu vergleichen. Sie kommen zu dem Schluss, dass nur bei Menschen, die dem Virus nur geringfügig ausgesetzt sind und in der 20- bis 29-jährigen Gruppe eine Häufigkeit von 140 pro 100.000 Einwohner an sieben Tagen aufweisen, das Impfrisiko gerade noch übersteigt. In allen anderen Altersgruppen überwiegt das Risiko, auf der Intensivstation Covid-19 behandelt werden zu müssen, immer deutlich. Dies gilt umso mehr bei höherer Häufigkeit und Exposition gegenüber dem Virus. Warum sorgen sich so viele Menschen so sehr um Nebenwirkungen?

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