ProSieben-Doku “Jenke. Crime.”: Ex-Drogenbaron verrät neue Details zum Entführungsfall Oetker

ProSieben-Doku "Jenke. Crime.": Ex-Drogenbaron verrät neue Details zum Entführungsfall Oetker

Ex-Drogenschmuggler Hubertus Becker (links) und ProSieben-Reporter Jenke von Wilmsdorff im Gespräch: Der Dokumentarfilm bestätigt und dekonstruiert den geschäftigen Gangster-Lebensstil. (Bild: ProSieben)

Der Extremreporter Jenke von Wilmsdorff präsentierte auf der ProSieben sein zweites neues Prime-Time-Format. Zu Beginn von “Jenke.Crime”. lässt Ex-Drogenschmuggler Hubertus Becker tief in seine Seele schauen. Er enthüllte ein explosives Detail über den Oetker-Entführungsfall am ursprünglichen Ort.

Sie konnte sich unter bestimmten Umständen investigative Dokumentarfilme zur Hauptsendezeit vorstellen, die kürzlich von der neuen ARD-Programmdirektorin Christine Strobl gehört wurden. Erstaunlicherweise wurde das, was im Bereich der Ideen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk mit Informationsmandaten immer noch im Umlauf ist, im werbefinanzierten Wettbewerb seit langem in die Praxis umgesetzt.

Thilo Mischke berichtete auf ProSieben über die Aktivitäten der rechten Szene in Deutschland. Joko und Klaas machten mit einem siebenstündigen Echtzeit-Dokumentarfilm auf den Pflegebedürftigkeit in deutschen Krankenhäusern aufmerksam. Jetzt spielt der Extremreporter Jenke von Wilmsdorff von RTL in der Hauptnacht vier Folgen mit einer Serie, die die Kernthemen des Menschseins berührt: In “Jenke. Crime”. von Wilmsdorff “sitzt mit den deutschen Schwergewichten des Tatorts am selben Tisch”, wie er in der Eröffnungsszene mit zittriger Reporterstimme ankündigte.

Hubertus Becker (links) berichtete Jenke von Wilmsdorff offen über seine kriminelle Karriere. (Bild: ProSieben)

Rotstichige Einblicke in ein filmreifes Gangster-Leben

Rotstichige Einblicke in ein filmreifes Gangster-Leben

Etwas dicke Hosen können und sollten so groß sein, dass das Trendgenre “True Crime” fast kaltatmiges Pathos an “ursprünglichen Orten” menschlicher Abgründe fordert. Hubertus Becker, der Gegenstand der Eröffnungsszene ist, ist ein dankbarer Kandidat. “Ich habe selten jemanden getroffen, dessen Leben so filmisch ist”, sagte von Wilmsdorff, der ehemalige Drogenbaron und Schmuggelkönig. Was folgt, ist ein Gangster-Epos, das in rot gefärbter Kodak-Filmästhetik illustriert ist. Und dann umso gnadenloser als in den guten Hollywood-Filmen: die Ernüchterung des auffälligen kriminellen Lebensstils.

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Hubertus Becker stammt “aus einer guten Familie” im Hunsrück, sein Vater war Forstverwalter. Seine Zeit im Internat in Boppard gab dem Leben schon in jungen Jahren einen Riss: Becker, erinnert er sich im Film, wurde von einem pädophilen Priester misshandelt, von einem Lehrer „schwer geschlagen“, und seine Mutter wurde zu Hause oft geschlagen. Später wurde ihm eine narzisstische Störung zugeschrieben: “Nichts davon hat dazu beigetragen, meinen Respekt vor den Behörden zu festigen.”

Hubertus Becker blickt mit Reue auf sein Leben zurück. Insbesondere seine Familie wurde vernachlässigt. (Bild: ProSieben)

“In den 70-ern war Freiheit noch zu spüren, die Polizei fuhr VW Käfer”

"In den 70-ern war Freiheit noch zu spüren, die Polizei fuhr VW Käfer"

Becker begann seine kriminelle Karriere in den 1970er Jahren. Das außergewöhnliche Organisationstalent mit Charisma schmuggelt Haschisch von Marokko nach München, er wird zum Drogenlieferanten für die Massen. “In den siebziger Jahren fühlte man sich noch frei, die Polizei fuhr VW Käfer”, ist der 69-Jährige fast sentimental. “Wir mochten uns wie Gangster.” Im Herbst 1978 erhielt er ein Angebot, sich in seinem neuen Zuhause auf Ibiza dem “Big Business” anzuschließen. Von da an arbeitete Becker mit der chinesischen Mafia und den kolumbianischen Kokabauern zusammen. “Wir haben das beste Heroin importiert, das es gibt.”

Der Niedergang beginnt, wenn Becker selbst sein bester Kunde wird. Heroinsucht macht das Eheleben seiner Frau zur Hölle, er vernachlässigt die Kinder. 1982 wurde er von der Polizei in einer Fülle von Drogen inhaftiert. Fünf Drogenkuriere hatten ihn betrogen. Er verbüßt ​​15 Jahre Gefängnis, die höchste Strafe, die jemals gegen einen Schmuggler auf deutschem Boden verhängt wurde. Die Boulevardpresse fällt um. Aber Hubertus Becker wird nicht im Gefängnis gesäubert. “Niemand kommt ins Gefängnis und sagt: ‘Wenn wir rauskommen, machen wir ein Start-up.’ ”

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Stattdessen traf Becker Dieter Zlof hinter Gittern, der 1976 den industriellen Erben Richard Oetker entführte und folterte. Bei seiner Freilassung erklärt Becker seine Bereitschaft, Zlofs verstecktes Lösegeld von 21 Millionen D-Mark zu waschen – überraschend naiv im Glauben an seine Unschuld. Das Unternehmen geht schief. Becker wird erneut verhaftet, erhält aber einen goldenen Ausweg: eine Belohnung von zwei Millionen Deutschen Mark plus Straflosigkeit für die Aufdeckung des Versteckes des Lösegeldes. Aber Becker lehnt den Deal ab. “Warum?”, Fragt Jenke von Wilmsdorff erstaunt. „Aus der Ehre eines Gauners. Ich verrate standardmäßig niemanden. ‘

Über “Jenke. Verbrechen.” Jenke von Wilmsdorff will verstehen, warum Menschen zu Verbrechern werden. (Bild 🙂

“Ich glaube noch nicht einmal an den freien Willen”

"Ich glaube noch nicht einmal an den freien Willen"

Und dann enthüllt Hubertus Becker etwas und gibt zum ersten Mal bekannt, dass er das neue Lösegeldversteck für den in Gewahrsam befindlichen Rechtsanwalt Dieter Zlofs skizziert hat. Becker: “Zwei Tage später war das Geld weg.” Der Reporter von Wilmsdorff spitzte sofort die Ohren: “Moment mal, dann hat der Anwalt auch das Gesetz gebrochen?” Sein Gesprächspartner bestätigt mit einem Achselzucken: “Dies ist das allererste Mal, dass ich das gesagt habe. Der Anwalt ist seitdem gestorben. Sonst hätte ich das überhaupt nicht gesagt.” Dieter Zlof wurde 1997 in London mit einem großen Teil des Geldes festgenommen; 2,5 Millionen D-Marks wurden bisher nicht gefunden.

Rückblickend beschreibt Becker seine Beteiligung an der Geldwäsche als seinen größten Fehler, auch aus moralischer Sicht. “Ich bin kein Gläubiger. Ich glaube nicht einmal an den freien Willen des Menschen”, sagt er. Aber wenn man auf seine schillernde kriminelle Karriere zurückblickt, gibt es großes Bedauern. Sein geliebter Vater enterbte ihn und seine Tochter, die an Mukoviszidose litt, starb im Gefängnis. Hubertus Becker lebt heute auf 50 Quadratmetern in Görlitz und arbeitet als preisgekrönter Autor. Er ist als jemand mit einem guten Brief zertifiziert.

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Sogar seine Worte sind scharf und schmerzhaft: “Dass ich nicht genug Liebe empfand und immer nach Abenteuern suchte: Dies sind Dinge, die nicht richtig gemacht werden können.” Und weiter: “Ich bedauere zutiefst, dass ich keine vernünftige Beziehung mehr zu meinem Sohn habe. Er sieht mich als völligen Misserfolg. Die Tatsache, dass er Recht hat, macht es umso schwieriger, damit umzugehen.”

‘Jenke. Kriminalität.’ ist das zweite neue Berichtsformat, das Jenke von Wilmsdorff nach dem Verlassen von RTL auf ProSieben präsentiert. (Bild 🙂