G7-Staaten: Kurs gegenüber autoritären Staaten abstecken

G7-Staaten: Kurs gegenüber autoritären Staaten abstecken

Während der Trump-Ära war die G7 fast veraltet. Jetzt könnte eine Gruppe westlicher Industrieländer zurückkehren.

Außenminister Heiko Maas wird ebenfalls an dem Treffen in London teilnehmen.

London (AP) – Die Außenminister der G7-Länder wollen heute in London eine Richtung für China und Russland vorgeben.

“Wir haben dort viel zu tun, wir haben es zu lange hinter uns gelassen”, sagte Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) zu Beginn eines Treffens in der britischen Hauptstadt am Montagabend. Weitere Themen sind die Konflikte in Syrien, der Ukraine, Myanmar und Afghanistan. Am Rande der Diskussionen wird Maas in einem Einzelgespräch mit dem US-Außenminister Antony Blinken zusammentreffen.

Dies ist das erste persönliche Treffen der Außenminister der sieben führenden westlichen Industrieländer seit zwei Jahren. Neben den Gastgebern Großbritanniens und Deutschlands gehören auch die USA, Frankreich, Italien, Kanada und Japan zur Gruppe. Südkorea, Australien, Indien und Südafrika sind ebenfalls zu den Gesprächen in London eingeladen. Die britische Präsidentschaft möchte die G7 zu einem noch zentraleren Forum für große Demokratien machen.

Maas begrüßte diesen Ansatz. “Immer mehr autoritäre Staaten oder autoritäre Staatsoberhäupter versuchen, ihr Modell gegen die Modelle liberaler Demokratien zu stellen”, sagte er. Es ist daher gut, gemeinsame Werte innerhalb der G7 zu definieren und gemeinsame Strategien zu entwickeln. Als Beispiel nannte er den Freihandel. “Wir, die G7, sind eine freie Welt und wollen Freihandel, anstatt zuzustimmen, wie wir es von anderen kennen.”

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Der G7-Gipfel soll vom 11. bis 13. Juni in Cornwall bei einem Treffen in London stattfinden. Dies ist das erste große Gipfeltreffen mit dem neuen US-Präsidenten Joe Biden. In der Zeit seines Vorgängers Donald Trump verlor der G7 an Bedeutung. Trump interessierte sich nicht allzu sehr für die Form des Gesprächs und gab die endgültige Aussage noch später auf.

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“Die G7 war eigentlich im Grunde nicht mehr, weil die USA sich längst inhaltlich zurückgezogen hatten”, sagte Maas zu der Zeit. “Es ist jetzt anders.”

Das Treffen der Außenminister in London begann am Montagabend mit einem Abendessen. Sechs Arbeitssitzungen und ein gemeinsames Abendessen mit den Außenministern der Gastländer sind für Dienstag geplant. Dazwischen gibt es noch Raum für individuelle Diskussionen. Maas verabredete sich mit dem japanischen Amtskollegen Toshimitsu Motegi und dem US-Außenminister Blinken.

Laut Maas wird das letztere Treffen unter anderem den Rückzug der NATO aus Afghanistan erörtern. Die Vereinigten Staaten und Deutschland tragen am meisten zu den dortigen Truppen bei. Die Eskalation des Konflikts zwischen pro-russischen Separatisten und Regierungseinheiten in der Ostukraine steht ebenfalls auf der Tagesordnung der Nachmittagsgespräche. Blinken plant, die Ukraine nach dem G7-Treffen zu besuchen.

Die G7-Konferenz findet unter strengen Corona-Bedingungen statt. Jeder Anwesende muss täglich auf das Virus getestet werden. Die Konferenz läuft bis Mittwoch, danach wird sie voraussichtlich mit einer gemeinsamen Abschlusserklärung enden.

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